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Weniger Projekte, mehr Wirkung:  Innovationsportfolio gezielt steuern

Geschrieben von Vera Lampl | 28.04.26 11:54
 
Die meisten Unternehmen investieren viel Geld in Innovation – doch die Wirkung bleibt oft aus. Genau hier setzt unsere neue Webinarserie Die wichtigsten Bausteine eines modernen Innovationsmanagementsystems mit dem Experten Dennis Böcker an. Zum Auftakt am 14. April 2026 diskutierte er mit rund 30 Teilnehmenden von Merck, Bosch, thyssenkrupp und TUI bis Wilo, „wie Unternehmen die richtigen Wetten platzieren“ – und Innovation gezielt steuern.
 
Zu viele Initiativen, zu wenig Fokus: Dieses Bild dürfte vielen bekannt vorkommen.

In vielen Unternehmen wächst das Innovationsportfolio historisch und nicht strategisch. Alles scheint wichtig, Ressourcen sind dauerhaft überlastet, echte Vergleichbarkeit fehlt – das Ergebnis: Portfolio im Blindflug.

Typische Symptome dieses „Blindflugs“:

•    Knappe Ressourcen 
•    Fehlende Vergleichbarkeit zwischen Projekten 
•    Unklare Abbruchkriterien 
•    Entscheidungen werden situativ oder politisch getroffen statt datenbasiert

Perspektivwechsel: Projekte als Wetten sehen

Dennis Böcker (Innovation Management Consulting) rüttelte genau hier wach: „Es geht nicht darum, möglichst viele Innovationsprojekte zu starten – sondern die richtigen Wetten zu platzieren.“

Die zentrale Frage lautet dann nicht mehr: Welches Projekt zählt? Sondern: Welche Balance braucht unser Portfolio heute und morgen? Böcker: „Damit verschiebt sich der Fokus grundlegend: weg von Einzelprojekten – hin zum Portfolio als strategischem Steuerungsinstrument.“ 

Warum Portfolio-Steuerung heute geschäftskritisch ist

Das Thema Portfolio-Management ist heute kein „Nice-to-have” mehr, sondern geschäftskritisch: Märkte verändern sich rasant, Tech-Zyklen verkürzen sich – zugleich steigt der Druck, mit Innovation messbar zum Geschäftserfolg beizutragen.

Ein Blick auf die Entwicklung der S&P-500-Unternehmen zeigt, wie stark sich diese Dynamik in den letzten Jahren verschärft hat:

Abb. 1: Wirtschaft im Wandel (Quelle: Dennis Böcker / HYPE)
 

Früher blieben oft Jahre, um auf neue Entwicklungen zu reagieren – heute verkürzen sich Zeitfenster massiv. Neue Konkurrenten entstehen viel schneller – und verdrängen ebenso schnell etablierte Anbieter.

Ohne klare Portfolio-Steuerung wird Geschwindigkeit zum Risiko:

  • Entscheidungen dauern zu lange
  • Ressourcen werden ineffizient eingesetzt
  • Chancen werden zu spät erkannt
 

Doch wie sieht ein ausgewogenes Innovationsportfolio konkret aus?

Ein bewährter Ansatz ist die Aufteilung entlang von Innovationshorizonten – von der Optimierung des Kerngeschäfts bis hin zu neuen, transformativen Geschäftsfeldern.

 

Abb. 2: Innovation in Balance – von inkrementell bis radikal (Quelle: Dennis Böcker / HYPE) 

So funktioniert wirksames Portfolio-Management

Zentrales Learning aus dem Webinar: Priorisieren allein reicht nicht – entscheidend ist eine klare, gemeinsame Struktur für das gesamte Portfolio.

Erfolgreiches Portfolio-Management basiert auf wenigen Prinzipien:

  • Strategische Einordnung (z.B. nach Innovationsgrad, Zeithorizont, Suchfeldern)
  • Einheitliche Datenbasis für alle Initiativen
  • Klare Kriterien zur Bewertung und Priorisierung
  • Bewusste Entscheidungen inkl. Stoppen von Projekten
 

Das Innovationsportfolio wird so zur Steuerzentrale zwischen Strategie und Umsetzung.

Schematisch sieht das wie folgt aus:

Abb. 3: Von der Geschäftsstrategie zur Innovationsinitiative (Quelle: Dennis Böcker / HYPE)

Die Praxis zeigt aber oft das Gegenteil: Portfolios sind überladen, der Fokus liegt auf inkrementellen Verbesserungen, und zukunftsweisende Ideen kommen zu kurz.

Dennis Böcker brachte die typischen Herausforderungen im Webinar auf den Punkt: „Zu viele Projekte jagen zu wenige Ressourcen – alles hat höchste Priorität. Es fehlen klare Abbruchkriterien, Projekte sterben langsam, und Entscheidungen fallen politisch, nicht datenbasiert.”

Der Ausweg beginnt mit Transparenz: „Schaffen Sie eine einheitliche Datenbasis für alle Initiativen. Wenige, klar definierte Kriterien wie Impact, Ressourcenbedarf, Zeithorizont oder Unsicherheit reichen oft weiter als aufwendige KPI-Systeme.“ Kurz gesagt: Weniger Projekte starten dafür gezielter entscheiden.

Governance: Wer trifft die Entscheidungen – und wie?

Doch selbst mit Transparenz, klaren Kriterien und einer sauberen Portfolio-Logik bleibt die Kernfrage: Wer entscheidet – und auf welcher Basis?

Viele Ansätze scheitern genau hier, an unklaren Verantwortlichkeiten.

Böckers Empfehlung: „Governance so klein wie möglich halten, aber den gesamten Prozess abdecken.“ Statt neuer Gremien sind klare Regeln wichtig, die Kontrolle und Tempo verbinden.

Für eine funktionierende Governance braucht es drei klar verzahnte Ebenen:

  • Systemebene: Arbeiten die Teams entlang klar definierter Strategien mit den passenden Werkzeugen und Verantwortlichkeiten?
  • Portfolio-Ebene: Erreichen wir unsere strategischen Ziele?
  • Initiativen-Ebene: Stimmen Fortschritt, Ressourcen, und erwarteter Impact?

Erst das Zusammenspiel dieser Ebenen macht echte Steuerung möglich. 


Abb. 4: Verschiedene Ebenen der Governance (Quelle: Dennis Böcker / HYPE)

 

Operativ funktioniert das durch klare Prozesse: definierte Übergänge von Idee zu Konzept zu Initiative, regelmäßige Reviews und konsequente Go/No-Go-Entscheidungen.

Böcker zufolge hilft dabei ein pragmatischer Hebel: ein „Innovations-Backlog“ – ein strukturierter Speicher für gute Ideen, die aktuell nicht priorisiert werden. „Maßgeblich“, so Böcker, „ist die Qualität der Entscheidungen im Alltag“.

 

Fazit, Learnings und Ausblick

Fazit: Die richtigen Wetten platzieren

Die abschließende Diskussion zeigte vor allem eines: Innovation scheitert selten an Ideen, sondern meist an Priorisierung und Konsequenz.

Erfolgreiches Innovationsmanagement lebt nicht von mehr Ideen, sondern von besserer Priorisierung. Genau hier stolpern viele Organisationen. Zugespitzt: Nicht die Anzahl der Initiativen zählt – sondern die Qualität der Wetten.

Spannend war auch der Blick in die praktische Umsetzung: Daniel Moderau (Solution Consultant, HYPE Innovation) zeigte live, wie diese Prinzipien greifen – von transparanter Portfolio-Ansicht über einheitliche Datensets bis zu strukturierten Entscheidungsprozessen. Dabei wurde auch klar: Ohne die passenden Tools bleibt Portfolio-Steuerung ein Kraftakt.

Learnings: Zentrale Erkenntnisse aus dem Webinar

  • Innovationserfolg hängt an der Qualität der Entscheidungen
  • Ohne Transparenz entsteht Portfolio-„Blindflug“
  • Wenige, klare Kriterien sind wirkungsvoller als komplexe KPI-Systeme
  • Gute Governance bleibt schlank und verbindlich
  • Erfolgreiche Portfolios balancieren kurzfristige und langfristige Initiativen

 

Ausblick: Wie Strategie ins Portfolio fließt

Mit dem Portfolio ist der erste Baustein gelegt – jetzt kommt die Innovationsstrategie.

Genau darum geht‘s im zweiten Webinar mit Dennis Böcker am 20. Mai 2026:Vom Zufall zur Zielrichtung: Wie Sie Innovation systematisch ausrichten“. Lernen Sie, strategische Suchfelder zu definieren, Prioritäten zu setzen und Innovation straff an die Unternehmensstrategie zu koppeln.

Hier können Sie sich anmelden: Webinar Episode 2 (20. Mai 2026)