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Schneller, effizienter, bürgernäher: Wie KI die Verwaltung modernisiert

Geschrieben von Vera Lampl | 27.11.25 12:37

Ob Rathaus, Landesbehörde oder Feuerwehr: KI verändert den Arbeitsalltag in vielen Verwaltungen. Dieser Beitrag zeigt inspirierende Praxisbeispiele – aus Deutschland und aller Welt – und ordnet ein, was Behörden jetzt tun können, um das Potenzial möglichst effizient zu nutzen.

Künstliche Intelligenz hält spürbar Einzug in der öffentlichen Verwaltung – vom cleveren Rathaus-Chatbot bis zu KI-gestützter Einsatz- und Infrastrukturplanung. 

Die Frage lautet nicht mehr, ob KI in der Verwaltung eingesetzt werden sollte, sondern wie – und vor allem: wie schnell. Denn KI kann nicht nur Arbeitsabläufe optimieren, sondern Bürgernähe, Tempo und Transparenz erhöhen.

Schauen wir doch mal, wo KI den Public Sector heute schon verändert.

Einsatzfelder: Wo KI Verwaltung smarter macht 

KI löst ganz konkrete Probleme in Städten und Behörden, in vielen Bereichen…

Mobilität: Intelligenter Verkehr & autonomer ÖPNV
Städte nutzen KI, um Verkehrsflüsse in Echtzeit zu analysieren und Staus zu vermeiden. Fahrzeug- und Ampeldaten werden zusammengeführt – effizienter als durch reine Sensortechnik. Langfristig gehen Städte noch weiter: Autonomer ÖPNV, KI-basierte Routenplanung und vorausschauende Wartung reduzieren CO₂-Emissionen und verbessern die Barrierefreiheit.
Nutzen: flüssigerer Verkehr, weniger Emissionen, mehr Sicherheit

Bauen, Wohnen & Infrastruktur: Digitale Zwillinge & schnellere Verfahren

Kommunen stehen unter Druck: Wohnraummangel, langsame Genehmigungen, hohe Baukosten. Hier unterstützt KI mit Simulationen, automatisierten Regelprüfungen und digitalen Zwillingen, die ganze Stadtteile virtuell abbilden. So lassen sich Bebauungspläne schneller bewerten, Bedarfe genauer prognostizieren und Infrastrukturmaßnahmen gezielt planen.
Nutzen: deutlich kürzere Verfahren, bessere Planung, weniger Fehler

Abb. 1: Öffentlicher Sektor: Einsatzbereiche und Anwendungsmöglichkeiten von KI (Quelle: Fraunhofer – Stadt & KI)
 
Nachhaltigkeit & Ressourcen: Energie sparen und Ausfälle verhindern

Von smarten Gebäuden bis zu intelligenten Stromnetzen: KI analysiert Echtzeitdaten aus IoT-Geräten und optimiert Energieflüsse. Sensoren erkennen Abweichungen frühzeitig (“Predictive Maintenance“) – etwa bei Aufzügen, Straßen oder technischen Anlagen. Smart Grids wiederum lernen Verbrauchsmuster und steuern Energie dann, wenn sie wirklich gebraucht wird.
Nutzen: weniger Energieverbrauch, geringere Kosten, zuverlässigere Infrastruktur

Governance & Verwaltung: Automatisierte Abläufe & bessere Beteiligung

Ob Chatbots für Bürgerfragen, KI-gestützte Dokumentenbearbeitung oder digitale Beteiligungsverfahren: KI sorgt im Verwaltungsalltag für schnellere Bearbeitung, bessere Datenlage und mehr Zeit für Bürgerinteressen. KI-Systeme analysieren auch Rückmeldungen aus digitalen Kanälen, erkennen Trends und unterstützen Städte bei Entscheidungen – von Wohngeld über Mobilität bis Krisenmanagement.
Nutzen: 24/7-Service, weniger Bürokratie, mehr Partizipation

Wie diese Einsatzfelder in der Praxis aussehen, zeigen mehrere Städte und Behörden in Deutschland – von Meckpomm bis Bayern.

Deutschland: Vier Beispiele aus der Praxis 

Hagenow: KI statt Formularfrust

In Hagenow bei Schwerin unterstützt ein lokal trainierter KI-Chatbot Unternehmen beim Entdecken neuer Geschäftschancen. Statt sich ewig durch Patentdatenbanken oder Forschungsregister zu kämpfen, stellen Unternehmen einfach ihre Fragen. Die KI filtert relevante Patente, Trends und Forschungsergebnisse heraus – und macht Wissen zugänglich, das zuvor nur Expert:innen vorbehalten war.

Abb. 2: Stadt Hagenow - regionales Wissen und Wachstum mit KI (Quelle: Google)  
 
Bayern: Open Data mit Tiefgang

Die Bayerische Agentur für Digitales (byte) hat mithilfe der Google Cloud ein skalierbares Open-Data-Portal geschaffen, das inzwischen als Blaupause gilt für andere Länder. Bürger:innen können z.B. sehen, wie lang Münchens längster Schulweg ist oder wo kritische Infrastruktur liegt. Start-ups nutzen die Daten für neue Geschäftsmodelle – ein echter Innovationsmotor für das digitale Ökosystem.

Wiesbaden: Smartere Infrastruktur & Einsatzplanung 

Die Stadt Wiesbaden setzt KI ein, um den Straßenzustand effizienter zu überwachen: Eine KI analysiert Straßen- und Gehwegvideos automatisch und erkennt Schäden mit 94,6 % Genauigkeit. Auch die lokale Feuerwehr arbeitet mit KI – ein Simulationsmodell berechnet optimale Standorte, Einsatzzeiten und berücksichtigt Ausfälle oder Verkehrsänderungen, um Rettungszeiten verlässlich einzuhalten.

Augsburg: Cisa, der clevere Rathaus-Chatbot

Ob Perso oder Öffnungszeiten: Mit CiSA, dem KI-Chatbot in der Stadt Augsburg (s. Abb. 3), erhalten Bürger:innen rund um die Uhr Antworten auf Verwaltungsfragen. Seit dem Start beantwortet CiSA tausende Anfragen monatlich. Über 80 % der Antworten passen direkt, was die Servicehotline deutlich entlastet. Ein tolles Beispiel für digitale Bürgerkommunikation – schnell, niedrigschwellig, 24/7 nutzbar.

 All das zeigt: KI kann Verwaltung konkreter, schneller und bürgerfreundlicher machen. Doch wo stehen wir insgesamt in Deutschland? Wie groß ist das Potenzial? Hier ein Blick auf aktuelle Zahlen.

Fakten-Check: Wo wir wirklich stehen

  • Im öffentlichen Sektor sind pro Jahr rund 24 Mrd. Euro zusätzliche Wertschöpfung durch generative KI möglich (Studie IW Consult, 2024)
  • 82 % der Beschäftigten im öffentlichen Dienst könnten davon profitieren – mehr als in jedem anderen Wirtschaftsbereich
  • Die meisten KI-Projekte drehen sich aktuell um Chatbots, automatisierte Dokumentenprozesse und Datenplattformen (z. B. Open Data)
  •  Über 58 % der Verwaltungsangestellten berichten bereits erste positive Effekte (z.B. bei Recherche, Textarbeit, Datenanalyse)
  •  Digitale Verwaltung könnte Unternehmen jährlich rund 1 Mrd. Euro Verwaltungskosten sparen
  •  Deutschland liegt im EU-eGovernment-Benchmark nur auf Platz 20
  •  Laut einer aktuellen eco-Umfrage (2025) bewerten 69 % der Bürger:innen die Digitalisierung öffentlicher Services als schlecht bis sehr schlecht
  •  57 % wünschen sich digitale Behördenanträge (z.B. Ausweis, Wohngeld, KfZ)

Quellen: IW Consult 2024 , eco-Umfrage 2025

 

Abb. 3: Gestatten – CiSA, Chatbot der Stadt Augsburg (Quelle: Stadt Augsburg)

 

Das Potenzial von KI in der Verwaltung ist also groß – aber auch der Frust über  langsame Digitalisierung. Was braucht es, damit aus Leuchtturmprojekten echte Breitenwirkung wird?

Einordnung: Was Behörden jetzt brauchen

Viele Kommunen sind schon gut aufgestellt – doch der Sprung in die Breite gelingt nur, wenn Strukturen, Kompetenzen und Rahmenbedingungen mitwachsen. Die größten Hürden liegen nicht in der Technik, sondern in regulatorischen Vorgaben, fehlenden Kompetenzen und oft unklaren Strategien. Dagegen hilft:

KI für echte Probleme nutzen – nicht als Selbstzweck

Stau, überlastete Ämter, langsame Antragsprozesse: KI muss dort ansetzen, wo der Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger spürbar wird. Smart Governance heißt: konkrete Herausforderungen lösen, statt neue Bürokratie zu schaffen.

Moderne, flexible IT-Beschaffung – die Innovation nicht ausbremst

Viele KI-Projekte scheitern nicht an der Technologie, sondern an Prozessen, etwa durch komplexe Vergaberegeln.

„Man kann nicht über Technologie im öffentlichen Sektor sprechen, ohne über ihre Beschaffung zu reden.“

- Richard Stirling, Oxford Insights

 Damit Behörden innovationsfähig bleiben, müssen Beschaffungsregeln schneller, flexibler und technologieoffener werden.

Digitale Kompetenzen & Talente – ohne Menschen funktioniert keine KI

KI braucht Menschen, die sie verstehen, weiterentwickeln und verantwortungsvoll einsetzen. Viele erfolgreiche Projekte basieren auf starken Partnerschaften zwischen Verwaltung, Forschung und Wirtschaft.

Wir müssen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen, die enthusiastisch sind, KI nutzen wollen und Erfahrung aus dem Privatsektor mitbringen.“

Prof. Gerhard Hammerschmid, Hertie School

Erst Kompetenz schafft Vertrauen – und Vertrauen schafft Akzeptanz.

Governance, Datenschutz & Teilhabe – klare Regeln für einen fairen KI-Einsatz

Datenqualität, Transparenz und nachvollziehbare Entscheidungen sind Grundvoraussetzung. Gleichzeitig wird Teilhabe zum zentralen Baustein moderner Verwaltung: KI soll Bürger:innen informieren, einbeziehen und Hürden abbauen.

„Erst im Zusammenspiel mit Daten-Governance, klarer Prozessintegration und Bürgerbeteiligung entfaltet KI ihren vollen Nutzen.«

Patrick Ruess, Leiter der aktuellen Studie “Stadt und KI“ vom Fraunhofer IAO

Und: Menschliche Entscheidungshoheit bleibt entscheidend. Thomas Jarzombek, Parlamentarischer Staatssekretär für Digitales und Staatsmodernisierung:

„Wir wollen die Menschen für KI begeistern, dafür müssen wir auch die Skeptiker überzeugen, indem nicht zuletzt finale Entscheidungen immer bei einem Menschen liegen.“

 
Veränderungsbereitschaft & kommunale Selbstverwaltung – Kultur entscheidet

KI lässt sich nicht einfach so “draufsetzen”. Prozesse, Verantwortlichkeiten und Arbeitsweisen müssen mitwachsen. On top brauchen Städte und Gemeinden Freiräume, um eigene KI-Strategien zu entwickeln. Professor Dr. Norbert Pohlmann, eco Vorstand für IT-Sicherheit:

„Bürgerinnen und Bürger erwarten vom Staat nicht nur digitale Angebote, sondern auch Transparenz und Kontrolle. Vertrauen in die technische Integrität ist Voraussetzung für Akzeptanz.“

Gleichzeitig wächst der politische Druck, beim Thema KI schneller voranzukommen:

„KI ist unsere beste Chance, um die Verwaltung deutlich schneller und bürgerfreundlicher zu machen. Diese Chance müssen wir nutzen!“

Thomas Jarzombek

Doch die Realität zeigt: Die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot ist groß. 69 % der Bürger:innen bewerten laut aktueller eco-Umfrage die Digitalisierung der Verwaltung als schlecht bis sehr schlecht, 57 % wünschen sich Online-Anträge, 31 % interessieren sich für digitale Wallets. Der Bedarf ist ja da – jetzt müssen Verwaltungen nachziehen.

Angetrieben wird die Entwicklung auch durch internationale Trends. Laut Public Sector Tech Watch  steigt die Zahl der KI-Projekte in Europa deutlich — besonders bei Bürgerdiensten, digitalen Büroanwendungen und Chatbots. Sehen Sie selbst, wie unterschiedlich Verwaltungen weltweit mit diesen Chancen umgehen…

Abb. 4: Die smartesten Städte der Welt - Smart City Ranking 2025 (Quelle: IMD)

Weltblick: Wie andere Länder KI nutzen

Ein Blick in die Welt zeigt: KI ist ein praktischer Hebel für bessere öffentliche Leistungen. Hier einige inspirierende Beispiele:

USA: Assistenz für Millionen
  • In Sullivan County im Bundesstaat New York hilft ein virtueller KI-Assistent Bürgerinnen und Bürger bei Behördengängen – direkt beim Öffnen der Website
  • Das KI-Tool MIRA unterstützt das US-Gesundheitsfürsorgeprogramm Medicaid dabei, hunderttausende Fälle effizienter zu bearbeiten

 

Südamerika: KI für Justiz & Bürgerservice
  • In Argentinien analysiert Prometea wiederkehrende juristische Fälle und spart Justizbeamtinnen und -beamten massive Zeit
  • Kolumbiens Rentenbehörde reduziert die Datenauskunft von Tagen auf Minuten

 

Afrika: Infrastruktur & Sicherheit
  • In Ghana lokalisiert das Projekt Open Buildings abgelegene Gebäude mithilfe von Satellitenbildern – wichtig für Stromversorgung und Katastrophenschutz
  • In Nigeria und Somalia warnen KI-basierte Hochwasservorhersagen Gemeinden frühzeitig vor Gefahren 

Asien: Gesundheit, Sicherheit & Smart Cities
Europa: Moderne digitale Dienste
 

Doch nicht nur im Ausland entstehen mutige Projekte – auch Deutschland zeigt, dass echte Transformation möglich ist.

Best Case: Die Bundesagentur für Arbeit (BA) als Transformationsmotor

Wie sieht eine Verwaltung aus, die KI nicht nur testet – sondern strategisch nutzt, um die gesamte Organisation zu verändern? Die Bundesagentur für Arbeit (BA) zeigt genau das:

Mit ihrer Strategie 2025 und einem tiefgreifenden Transformationsprogramm will sie zu einer der modernsten, reaktionsschnellsten und bürgernahesten Behörden Europas werden. Im Zentrum stehen fünf Leitprinzipien: Kundenorientierung, Mitarbeiterbeteiligung, Digitalisierung, Nachhaltigkeit, lernende Organisation.

Um diese Vision Realität werden zu lassen, führt die BA gemeinsam mit HYPE Innovation eine neue, moderne Innovationsplattform ein, die

  • Interne Mitarbeitende (über 100.000 Beschäftigte an mehr als 1.000 Standorten) sowie
  • externe Bürgerinnen und Bürger

in strukturierte Innovationsprozesse einbindet.

Interne Beteiligung
  • Kampagnen für Effizienz, bessere Abläufe und innovative Services
  • Ein klar definierter Entwicklungsprozess führt Ideen vom Vorschlag bis zur Umsetzung – ein echter Lernkreislauf
 
Externe Beteiligung
  • Die BA öffnet sich für Open-Innovation-Kampagnen, bei denen Bürgerinnen und Bürger ihre Perspektiven und Vorschläge einbringen können
  • Die Bevölkerung gestaltet Ideen aktiv mit: So entsteht ein Verwaltungssystem, das mit der Gesellschaft entwickelt wird – und nicht an ihr vorbei
 

„Es geht hier nicht nur um ein System-Upgrade. Es geht darum, Grundlagen zu schaffen – für einen agileren, inklusiveren und zukunftsorientierten öffentlichen Dienst.“

Armin Wehn, Director Europe, HYPE Innovation

 

Die digitale Plattform wird bis Ende 2025 schrittweise eingeführt. Sie hilft, Trends früh zu erkennen, Kampagnenformate zu harmonisieren und Innovationen strategisch zu steuern. Die BA zeigt damit eindrucksvoll: Die Zukunft der Verwaltung entsteht nicht allein durch KI-Tools – sondern durch Kultur, Beteiligung und echten Wandel.

Fazit

Deutschland hat gute Voraussetzungen – es braucht nur Mut, Skalierung und Tempo. Die vielen inspirierenden Beispiele aus Städten, Ländern und Behörden belegen:

•    KI macht Verwaltung schneller, transparenter, bürgernäher
•    Mutige Pilotprojekte existieren — sie müssen nur skaliert werden
•    Verwaltung kann zur lernenden Organisation werden
•    KI ist kein technisches Add-on, sondern ein strategischer Hebel

Wenn Kommunen, Länder und Bund diesen Weg weitergehen, kann Bürokratie neu gedacht werden: moderner, agiler – und spürbar näher am Menschen.